4. Oktober 2018 Berenice 0Comment

Ihr Lieben,

heute gibt es wieder einen Beitrag zu unserer neuen Kategorie „Wir fragen – wir antworten“. Wir interviewen uns quasi gegenseitig zu Themen, die uns als Mütter beschäftigen oder einfach auf der Seele liegen. In diesem Monat geht es um das Thema Medien und deren Umgang damit und Ihr seid wieder herzlich eingeladen, Eure Erfahrungen und Meinungen aufzuschreiben.

Gedanken zum Umgang mit Medien

Am Thema Medien scheiden sich die Geister: von gar nicht bis mehrere Stunden täglich ist wohl alles dabei und jede Familie hat ihren ganz eigenen Weg mit Medien umzugehen. Heute erzählen wir, wie wir das so handhaben…

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Sylvi fragt – Berenice antwortet

Liebe Berenice, Fernsehen ist ja bei vielen immer wieder so ein Stressthema. Wie ist das bei euch? Gibt es feste Zeiten oder Regeln?

Ja und nein. Einerseits achte ich natürlich darauf, dass die Kinder nicht zu viel fernsehen. Ich würde sagen, sie schauen mehrmals pro Woche, aber nicht täglich. Wenn der Fernseher läuft, dann meistens zwischen 18:00 und 19:00 Uhr, denn da kommen gute Kinderserien und das ist die Zeit, in der ich das Essen vorbereite. Mal sind das 15 Minuten, mal tatsächlich eine Stunde. Und gerade jetzt im Herbst und Winder gibt es die Ausnahmen am Wochenende: da läuft der Fernseher dann schon mal vor dem Mittagessen oder die Kinder dürfen um 20:15 Uhr einen Disneyfilm oder eine DVD schauen. Diese Abende genießen wir dann zusammen mit Popcorn und Kuscheldecken.

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Die Frage nach dem „Ob“ ist das eine. Die Frage „Was“ aber auch nicht zu verachten. Nach welchen Kriterien suchst du aus, was die Kinder schauen dürfen?

Ich achte darauf, dass die Kinder das, was sie sehen, auch verarbeiten können. Die Kleine z.B. darf Kinderserien im KIKA schauen oder auch sowas wie Erdmännchen, Zebra und Co. Sie sollte Zusammenhänge verstehen und nicht in völlig fremde Welten eintauchen. Die Große schaut auch schonmal Filme, die ab 6 Jahren empfohlen werden. Aber da schauen wir dann immer zusammen, weil ich merke, dass sie einige Fragen im Kopf hat. Für mich muss es kindgerecht und „nett“ sein. Ich bin kein Fan von Serien mit Kämpfern und Schwertern.

In welcher Form gab es bei deiner Großen schon Berührungspunkte mit dem Internet? Wie sieht der Umgang damit aus?

Sie kennt das Internet durch mich und vor allem Google. Denn oft, wenn sie eine Frage stellt, sage ich: da müssen wir im Internet schauen, z.B. welcher Film im Kino läuft oder wie alt Schildkröten werden. Sie geht jetzt in die 2. Klasse und hat einen Zugang bei Antolin, einer Online-Plattform für Grundschüler. Da findet sie es sehr cool, dass sie an meinen Laptop darf und sich alleine anmelden kann. Ansonsten lasse ich sie viel zuschauen, aber alleine das Internet durchstöbern darf sie noch nicht. Und seit meiner Recherche zu Pädophile im Internet bin ich noch vorsichtiger.

Irgendwann kommt der Moment: das Kind bekommt ein eigenes Handy. Oft ist das früher, als man denkt. Bei meiner Großen habe ich festgestellt, dass in der dritten Klasse schon ein Großteil der Klasse ein eigenes Handy hat. Wie sieht das bei euch im Umfeld aus und hast du eigene Vorstellungen / Altersgrenzen in Bezug auf das Thema im Kopf?

Das ist ehrlich gesagt auch ein ganz schwieriges Thema für mich. Ich erinnere mich an mein Handy, das ich mit 15 bekommen habe – so groß wie ein Backstein, aber natürlich mega ! Ich sehe diese Entwicklung, dass alles immer früher kommt, aber glücklicherweise ist es in ihrer Klasse noch kein Thema. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass Grundschüler noch kein eigenes Handy brauchen. Wofür auch !? Ich glaube im Laufe der 5. Klasse werde ich mir darüber Gedanken machen, ob meine Tochter ein Handy braucht oder nicht. Aktuell ist es auch noch so, dass sie ständig irgendwas vergisst oder verschusselt. Das muss sich dann definitiv gebessert haben…

Medien vermeiden, ist für mich immer der ungünstigere Weg. Besser ist meines Erachtens die kompetente Begleitung durch die Eltern. Aufklären und Erläutern ist wichtig, damit die neuen Medien nicht zur Gefahr werden. Deine Kids sind ja noch jünger… In welchen Kontexten sprecht ihr aber bereits über Nutzen, Grenzen und Gefahren von Medien?

Diesen Standpunkt vertrete ich auch: vermeiden ist immer der falsche Weg. Die Kleine ist drei und da ist das noch kein Thema. Da sage ich dann höchstens, dass wir den Fernseher ausmachen, weil nur Quatsch kommt. Bei der Großen ist es recht aktuell. Wir hatten vor einigen Monaten einen Mann hier im Ort, der morgens immer die Schulwege abgefahren ist und Kinder auf Spielplätzen beobachtet hat. Da haben wir viel darüber gesprochen, dass nicht alle Menschen nett sind – auch wenn sie nett aussehen. Da ging es auch um den behutsamen Umgang mit dem Internet, weil vieles anonym ist und man nie weiß, wer da wirklich vor dem Rechner sitzt. Aber ich beleuchte immer die positiven Seiten, da ich versuche aufzuklären ohne Angst zu machen.

Berenice fragt – Sylvi antwortet

Liebe Sylvi, gibt es bei Euch feste Regeln zum Umgang mit Medien und wie sehen diese aus, z.B. Dauer der täglichen Nutzung?

Nein, wir haben keine festen Regeln und fahren damit eigentlich sehr gut. Wir vertrauen darauf, dass Vorbildwirkung und Aufklärung mehr bringen als Sanktionen. Habe ich das Gefühl, dass zum Beispiel zu viel ferngesehen wird, frage ich gezielt nach, was sie noch schauen wollen oder schlage einfach etwas vor, wofür wir keinen Fernseher brauchen. Immer noch ziehen meine Kids Aktivitäten mit uns der Flimmerkiste vor.

Was hältst Du von „Bestrafungen“ im Sinne von: „Wenn Du Dein Zimmer nicht aufräumst gibt es Fernsehverbot“ oder ähnlichem?

Eigentlich gar nichts, aber ich gestehe auch mir ist das schon rausgerutscht und danach dachte ich, wie blöd… Passt doch gar nicht zu dem, was wir sonst propagieren. Dieses „Wenn…, dann…-Prinzip“ ist immer so eine Sache und kann schnell in die falsche Richtung laufen. Unserer Kleinen ist sowas sowieso egal… Sie würde sich einfach anderweitig beschäftigen und ähnlich war das bei mir früher auch. Hatte ich Fernsehverbot, habe ich mich mit Freunden getroffen. Kam dazu noch Hausarrest hab ich einfach gelesen. Es war mir egal und hat mich nicht gejuckt. Irgendwann gab es dann mal ein absolut absurdes Leseverbot, aber da haben meine Eltern schnell gemerkt, dass das wohl eher kontraproduktiv war…

Deine große Tochter geht auf ein Gymnasium. Merkst Du eine Veränderung im Umgang mit Medien seit sie auf der weiterführenden Schule ist? Gibt es sowas wie „Gruppenzwang“ in Bezug auf das eigene Smartphone oder Tablet?

Gruppenzwang nicht unbedingt, aber ist schon so, dass mittlerweile alle ein Smartphone haben und die Masse wohl auch eines von einem der führenden Hersteller. Wenn alle das haben, dann entwickeln sich natürlich auch eigene Wünsche diesbezüglich, aber das finde ich ganz normal. Die Große hat in der dritten Klasse ein altes Smartphone vom Opa bekommen und wollte bald ein anderes. Das jedoch musste sie sich selbst kaufen und hat tatsächlich über ein Jahr dafür gespart. Ein Tablet hat sie auch, nutzt es aber nur, wenn wir auf Reisen sind und ein Rechner ist einfach fast schon Pflicht, wenn du auf dem Gymnasium bist. Sie muss soviel vorbereiten und recherchieren für die Schule, dass einfach über Hand nahm und sie ständig an meinem Rechner saß. Deshalb hat sie mittlerweile auch einen eigenen Rechner. Doch aus diesen nutzt sie meist nur für die Schule.

Ist Cybermobbing ein Thema, das Du mit Deinen Kindern besprichst – oder war Deine Tochter zu einem Zeitpunkt sogar selbst betroffen?

Es gab Anfang des Schuljahres einen Elternabend speziell zu dem Thema Cybermobbing und richtigen Umgang mit Medien und die Schüler hatten letzte Woche einen Projekttag dazu. So richtig betroffen war sie bisher nicht, aber es gab einfach schon Situationen in denen wir als Eltern einschreiten mussten. Zum Beispiel wurde sie mal zu einer Gruppe hinzugefügt und hatte binnen eines Abends 274 Nachrichten. In der Gruppe ging es äußerst unschön zu und ein Kind wurde massiv angegangen. Wir haben uns an die Eltern des Kindes gewandt, die diese Gruppe gegründet hatte und unsere Tochter aus der Gruppe gelöscht. Solche Situationen muss man mit den Kindern aufarbeiten und ich denke das gelingt uns ganz gut. Hier setze ich eben auf Aufklärung und versuche ihr Medienkompetenz zu vermitteln. Das kann man aber nur, wenn man nicht nur reglementiert sondern auch vertraut. Das ist manchmal ein schmaler Grad, denn ganz ohne Beobachtung sollten die Kinder auch nicht mit Medien umgehen. Leider stelle ich aber immer wieder fest, dass Eltern gar nicht darauf schauen, was die Kinder so treiben. Das finde ich verantwortungslos und erwarte hier eigenlich, dass Eltern aktiv handeln.

Was bedeuten Medien für Dich: Fluch oder Segen?

Medien bieten Chancen und Risiken. Das kann man nicht anders zusammenfassen. Aber Grunde sehe ich in ihnen eher eine Chance als ein Risiko. Wichtig ist und bleibt aber, dass wir Eltern unserer Verantwortung gerecht werden und unsere Kinder auf dem Weg zum kompetenten Mediennutzer unterstützen.

Über unseren Umgang mit Medien habe ich übrigens hier auch schon mal geschrieben.

Wie geht Ihr mit dem Thema Medien um? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Bis bald,

Sylvi und Berenice

Mehr aus dieser Rubrik findet Ihr hier:

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