6. September 2018 Sylvi 0Comment

Ihr Lieben,

heute gibt es eine neue Ausgabe von „Wir fragen – wir antworten“. Nachdem es beim letzten Mal um den Schulstart unserer Kinder ging, geht es dieses Mal um unseren beruflichen Weg bzw. den Wiedereinstieg nach der Babypause.

Gedanken zum Wiedereinstieg

Fast jede Frau kennt es. Das Baby ist kein Baby mehr und die Rückkehr in den Beruf naht. Plötzlich fragt mach sich, wie man das Hinbekommen wird mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder wie der Arbeitgeber reagiert, wenn man nun nicht mehr so flexibel einsetzbar ist, wie vor dem Kind. Leider gibt es auch immer noch wieder Fälle in denen Frauen direkt nach der Elternzeit gekündigt wird. Vermeintlich betriebsinterne Gründe werden vorgezogen, obwohl man vor dem Kind immer gute Arbeit geleistet hat. Auch Berenice erging es so und es war ein herber Schlag, zumal sie selbst in der Elternzeit in dem Unternehmen tätig war.

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Sylvi fragt – Berenice antwortet

Liebe Berenice, erzähl uns doch kurz einmal, was du gelernt hast und wo du vor der Geburt deiner zweiten Tochter tätig warst.

Ich habe nach dem Abi eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel absolviert. Ich war bereits während meiner Schulzeit einige Jahre im Unternehmen und wusste, dass es das ist, was ich machen will. Nach Ende der Ausbildung startete ich meine Weiterbildung, wurde Ausbilderin und hatte Führungsverantwortung. Nach der Elternzeit mit meiner ersten Tochter habe ich jedoch gemerkt, dass sich der Einzelhandel nur schwer mit einer Familie vereinen lässt. Ich habe mich ein wenig umorientiert und dann einen Job als Verwaltungsangestellte angefangen.

Du warst auch während der Elternzeit berufstätig. Warum eigentlich?

Mein Job als Verwaltungsangestellte in der Kinder- und Jugendhilfe war sehr familienfreundlich. Ich hatte geregelte Arbeitszeiten und einen Chef, der Verständnis hatte, wenn das Kind wieder mal krank war. Ich mochte diese Arbeit wirklich sehr: ich war für alle Verwaltungsarbeiten von etwa 70 Kindern zuständig und hatte ein funktionierendes System. Ich bin vier Monate nach der Geburt wieder zwei Tage pro Woche arbeiten gegangen, um möglichst wenig zu verpassen. Gesetze werden geändert, Kinder kommen, Kinder gehen – ich wollte meinen Überblick nicht verlieren. Und ich hatte tatsächlich auch Angst, ausgetauscht zu werden. Wie begründet diese Angst war wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Dann kam die Kündigung. Wie war das für dich und wie bist du damit umgegangen?

Die Kündigung war ein Schlag ins Gesicht. Etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt Urlaub, um meine Tochter im Kindergarten einzugewöhnen und kam nur zu einer Teamsitzung ins Büro. Vor versammelter Mannschaft wurde mir dann gekündigt, angeblich weil ich nicht „Guten Tag“ gesagt habe. Doch eigentlich ging es meinem Chef um meine Arbeitszeit und meinen Stundenumfang, der ihm nicht passte. Da ich in Elternzeit war bin ich zum Anwalt und die Angelegenheit zog sich wie Kaugummi. Dass ich dorthin nicht zurückgehe war klar, aber so richtig abschließen konnte ich erst Ende Juni diesen Jahres, als die Elternzeit endlich offiziell zu Ende war.

Mittlerweile arbeitest du wieder und studierst auch noch nebenbei. Wie bekommst du das neben Familie und Haushalt alles hin?

Tatsächlich habe ich oft das Gefühl, es nicht wirklich hinzukriegen. An jedem Abend gibt es Dinge, die ich nicht geschafft habe. Aber es gibt auch eine Menge Dinge, die ich geschafft habe. Ich bin ein großer Listen-Fan und schreibe mir tatsächlich jeden Abend eine To-Do-Liste für den nächsten Tag. Und momentan bin ich dabei, mir eine Art Stundenplan zu erstellen, um feste Zeiten zu haben. Ansonsten ganz klar: Prioritäten setzen. Der Job ruft jeden Tag, aber der Staub kann auch mal zwei, drei Tage liegen bleiben.

Was würdest du einer Mutter mit auf den Weg geben wollen, die kurz davor ist in ihren Beruf zurückzukehren und Sorgen hat, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommt.

ln erster Linie sollte sie sich klarmachen, was sie für sich und für die Familie will. Denn wenn es nicht so klappt wie erhofft leidet entweder der Job oder die Familie. Und: Flexibilität. Wir Mütter leisten Großartiges und ich finde es unglaublich schade, dass Kinder und Familie in unserem Land solch einen niedrigen Stellenwert haben. Wenn der Job nicht mehr passt, dann ist das so. Wo sich eine Tür schließt öffnet sich eine andere…

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Berenice fragt – Sylvi antwortet

Zu Beginn: Wie ging es für Dich nach dem Schulabschluss weiter und wie sah Dein Berufsleben vor Deinen Kindern aus?

Als ich 2003 mein Abitur gemacht hatte, war mein Mann gerade fertig mit dem Studium und seine Versetzung stand an. Ich suchte also einen Studienplatz in der Nähe seines Standortes und so zogen wir 2003 von Hamburg nach Jena. Nach zwei Semestern Rechtswissenschaft, die mich lehrten, dass die Juristerei wohl gar nichts für mich ist, wechselte ich zu Lehramt Gymnasien Geschichte und Sozialkunde. Eigentlich wollte ich das schon vorher machen, hatte aber Angst, dass ich das Latinum nicht schaffen könnte. Nach der Zwischenprüfung war ich ein halbes Jahr in Elternzeit und studierte anschließend weiter. Ich wechselte mich mit der Betreuung unserer Tochter mit einer Freundin ab, denn mein Mann war nur am Wochenende da. Nach meinem Abschluss bewarb ich mich mehrfach auf einen Referendariatsplatz – leider vergeblich. Da ich auf Grund einer sehr guten Examensarbeit das Angebot erhielt zu promovieren, versuchte ich erstmal dies. Das ging auch erst erfolgversprechend los, doch nach der Geburt unserer zweiten Tochter, dem Umzug nach Leipzig und einer nicht optimalen Betreuungssituation auf Grund der Entfernung musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich das nicht weiterverfolgen kann und auch nicht möchte. Es musste eine Entscheidung getroffen werden…

Du warst  6 Jahre zu Hause und hast Dich um Kinder, Familie und Haushalt gekümmert. War das eine bewusste Entscheidung oder hattest Du schlichtweg keine andere Möglichkeit?

Das war tatsächlich eine ganz bewusste Entscheidung. Zu Beginn waren es ganz praktische Gründe, denn der Kindergarten unserer zweiten Tochter war am anderen Ende der Stadt und ich brauchte mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Stunde hin und eine Stunde zurück. Als sie drei Jahre alt war, haben wir einen Kindergartenplatz im Viertel bekommen, aber leider hat sie sich nie richtig eingelebt und hatte lange Schwierigkeiten. Da mein Mann beruflich sehr eingespannt war und ist, habe ich alles andere gemanagt und das war genau richtig so. Wir haben keine Unterstützung vor Ort und trotz dessen, dass ich zu Hause war, krochen wir dennoch oft auf dem Zahnfleisch. Ich schaute immer mal, ob ich etwas am Vormittag finden würde, aber so richtig fand sich einfach nichts. Als MiniMotte fast vier Jahre alt war, habe ich den Blog gestartet. Eigentlich wollte ich nur eine Verbindung zur Außenwelt und war auf der Suche nach Gleichgesinnten, aber schnell ergaben sich auch die ersten Kooperationen und ich konnte so in freier Zeiteinteilung auch etwas zum Familieneinkommen beitragen. Für mich war das in den letzten beiden Jahren einfach der perfekte Weg um auch meiner Familie gerecht zu werden.

Wann war für Dich der Zeitpunkt zu sagen: „Jetzt gehe ich wieder arbeiten.“? War es eher der Zeitpunkt, der gepasst hat oder ein Gefühl in Dir?

Das war eigentlich eher der Zeitpunkt, denn ich hatte immer gesagt, dass ich neu überlege, wie es mit mir weitergeht, wenn MiniMotte in die Schule kommt. Ich fand diesen Zeitpunkt perfekt, um auch selbst noch einmal zu überlegen, was ich machen möchte.

Du hast Dich entschieden, nach der Erziehungszeit beruflich einen neuen Weg zu gehen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Seit Anfang des Jahres habe ich also überlegt, wie es mit mir weitergehen soll. Schnell war klar, dass ich mir Lehramt nicht mehr vorstellen kann. Ich wollte näher am Kind sein und durch meine eigenen Kinder hatte ich auch festgestellt, dass ich gerne mit kleineren Kindern arbeiten möchte. Ich habe also geschaut, wie ich in diesem Bereich wechseln kann und habe natürlich auch ein bisschen Glück gehabt.

Wie fühlst Du Dich aktuell mit Deiner beruflichen Situation? War die Umstellung nach 8  Jahren schwer? Und  wie stehst Du zu Deiner Entscheidung, diesen neuen Weg zu gehen?

Ich fühle mich super, denn mein Arbeitgeber macht einiges für mich möglich. Ich habe Arbeitszeiten, die sich gut mit meiner Mutterrolle vereinbaren lassen. Im Grunde merken die Kinder kaum, dass ich arbeite. Zu der Entscheidung viele Jahre Familienmanagerin gewesen zu sein und nun beruflich noch einmal neue Wege zu gehen, stehe ich voll und ganz. Es fühlt sich richtig an und ich freue mich jeden Tag auf meine Kitakids.

Wie war es für euch? Wie habt ihr den beruflichen Wiedereinstieg erlebt, wie klappt es mit der Vereinbarkeit? Lasst uns teilhaben! Wir freuen uns über eure Kommentare.

Bis bald,

Sylvi und Berenice

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