13. August 2018 Sylvi 0Comment

Ihr Lieben,

dies ist der erste Beitrag zu unserer neuen Rubrik „Wir fragen – wir antworten“. Einmal im Monat wollen wir uns einem Thema widmen und uns gegenseitig dazu befragen. Ziel ist es, dass so unterschiedliche Herangehensweisen, Ideen und Ideale deutlich werden, aber natürlich auch Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden.

Wir laden euch herzlich dazu ein mit uns diesen Gedankenaustausch zu betreiben und freuen uns immer über Kommentare von euch. Schreibt uns eure Meinungen und Ansichten und lasst uns ins Gespräch kommen.

Gedanken zum Schulstart

Heute ist der erste Schultag von Sylvis kleiner Tochter, die Große von Berenice ist seit wenigen Tagen in der zweiten Klasse. Deshalb wollen wir uns heute ein bisschen zu dem Thema: Schulstart – Ängste, Erwartungen und Erfahrungen austauschen…

Schule, Schulanfang und Bildungspolitik - unsere Gedanken zum Schulstart

Sylvi fragt – Berenice antwortet

Vor knapp einem Jahr kam deine Große in die Schule. Was waren deine größten Sorgen bzw. Gedanken davor?

Ich habe mir in der letzten Zeit vor der Einschulung wirklich viele Gedanken gemacht. Meine Tochter kam nur wenige Wochen nach ihrem sechsten Geburtstag in die Schule und meine größte Sorge war, ob sie das alles schafft. Sie war einerseits schon so groß, aber andererseits doch auch noch meine Kleine ! Die Schule, die sie besucht, ist mit 400 Schülern eher groß, die Flure sind lang und eine Tür reiht sich an die nächste. Ich hatte sogar Sorgen, dass sie sich nicht traut zur Toilette zu gehen – aus Angst, den Klassensaal nicht mehr zu finden. Aber nach einem Jahr kann ich sagen, dass alle Ängste unbegründet waren, wir eine tolle Schule haben und meine Tochter das erste Schuljahr mit Bravour gemeistert hat !

Ein Jahr Schulkind heißt auch ein Jahr früher als früh aufstehen, um pünktlich in der Schule zu sein. Hat es lange gedauert, bis ihr da euren Rhythmus gefunden habt?

Oh ja, auch das habe ich mir sehr viel schwieriger vorgestellt. Im Kindergarten konnten wir flexibel zwischen 8:00 und 9:00 Uhr kommen und jetzt mussten wir jeden Morgen um 7:50 Uhr an der Schule sein. Glücklicherweise startet das Schuljahr immer im Sommer, d.h. morgens ist es hell und warm und wir kommen besser aus dem Bett. Auch das lästige Anziehen von Stiefeln, Jacken, Mützen und Handschuhen entfällt. Stattdessen haben wir es richtig lieb gewonnen, morgen um 7:30 Uhr zur Schule zu laufen: die Luft war noch nicht zu heiß und meine Tochter war natürlich jeden Tag gespannt, was es heute in der Schule zu entdecken gibt. Daher hatten wir unsere neue Routine recht schnell verinnerlicht und im ersten Schuljahr nicht einmal verschlafen 😉

Hausaufgaben, oft ein leidiges Thema… Wie war es bei deiner Tochter! Hat das bisher immer gut geklappt?

In der ersten Klasse ist es ja so, dass es nie viele Hausaufgaben gibt. Laut Lehrerin sollten die Kinder die Aufgaben innerhalb von 30 Minuten schaffen. Aber das war großzügig angesetzt, denn wir waren meist nach 15 Minuten fertig. Mit „wir“ meine ich, dass ich immer mit meiner Tochter am Tisch saß, denn ich wollte wissen, was sie aktuell lernt und vor allem, wie sie lernt. Zum Lesen musste ich sie immer etwas motivieren, aber der Rest klappte auch so ganz gut.

Wenn du noch einmal zurückdenkst. Es ist nur ein Jahr vergangen, aber in welchen Bereichen hat sich deine Tochter verändert im Vergleich zum Kindergartenkind?

Meine Tochter ist auf jeden Fall sehr viel selbstständiger geworden. Sie hat immer ihre ganz eigene Ordnung im Mäppchen und legt auch großen Wert drauf, dass die Sachen vollständig im Schulranzen sind. Und sie hat im ersten Schuljahr einiges an Selbstbewusstsein getankt. Sie fühlt sich in der Klasse sehr wohl, hat neue Freunde gefunden und wird immer offener.

Was würdest Eltern von zukünftigen Schulkindern gern mit auf den Weg geben? Hast du Tipps?

Der Eintritt in die Schule ist ein großer Schritt für die Kinder, aber auch für uns als Eltern. Ich habe gelernt, dass wir loslassen müssen. Kinder kriegen oft viel mehr hin, wenn wir sie nur lassen. Geht mit Gelassenheit in die Schulzeit, auch wenn zu Beginn nicht alles super läuft. Dieser neue Abschnitt ist für die ganze Familie eine neue Situation, die sich erst eingrooven muss.

Berenice fragt – Sylvi antwortet

Heute hat Deine Tochter ihren ersten Schultag. Mit welchen Gefühlen habt ihr die letzten Tag im Kindergarten erlebt?

Fur MiniMotte konnte es gar nicht schnell genug gehen, dass der Kindergarten endlich zu Ende geht. Sie ist dort nie richtig angekommen und hatte lange Schwierigkeiten Anschluss zu finden, weshalb das Kitaende für sie eher ein schönes Erlebnis war. Es gab keine Tränen sondern nur freudiges Hüpfen. Mir ging es eigentlich ähnlich. Seit 11 Jahren begleite ich meine Kinder durch ihre Kindergärten. Immer auch aktiv im Elternrat. Ich konnte vieles bewirken und anstoßen, aber jetzt ist einfach Zeit für einen neuen Abschnitt. Ich trauere also nicht wirklich der Kindergartenzeit hinterher, das hat aber auch damit zu tun, dass es bei MiniMotte wirklich keine einfache Zeit war.

Deine Große hat die Grundschule bereits hinter sich. Gibt es etwas, was Du dieses Mal definitiv anders machen willst?

Ja, definitv! Zum einen möchte ich noch mehr darauf achten, dass MiniMotte frühzeitig lernt selbständig zu arbeiten und zu lernen. Das war auch mein Ziel bei Lou, aber es ist mir nicht immer zu 100 Prozent geglückt die nötige Gelassenheit an den Tag zu legen und Scheitern auch zuzulassen. Das heißt, dass ich schon immer kontrolliert habe, dass die Hausaufgaben vollständig sind und das Schulzeug vollständig. Irgendwann muss das aber einfach selbständig klappen und das nehme ich mir auf jeden Fall vor. Zudem habe ich Englisch ab der 3. Klasse eher laufen lassen. Es gab keine Noten und man hatte auch als Eltern kaum einen Überblick, was die Kinder gelernt haben. Jetzt kommt Lou in die 6. Klasse und Englisch ist eine große Baustelle, weil im Gymnasium bereits vieles vorausgesetzt worden ist.

Du bist Lehrerin und absolvierst aktuell Deine Erzieherausbildung. Glaubst Du, dass Du daher die Schulzeit oder unser Schulsystem kritischer siehst?

Ja, auf jeden Fall. Ich kenne viele Lehrer, bekomme viel mit und habe auch als Mutter schon einiges erlebt. Es gibt für mich viele Baustellen, auch und gerade im Übergang zwischen Kindergarten und Schule. Viele Kindergärten arbeiten mittlerweile offen und lassen Kinder partizipieren. In der Schule warten dann feste Strukturen und wenige Möglichkeiten für Mitbestimmung. Der Stundenplan gibt den Tagesablauf vor und nicht das Interesse der Kinder. Jüngere Lehrer brechen dies immer mehr auf, arbeiten methodisch abwechslungsreich und setzen zum Beispiel Lernwerkstätten ein, die einen gewissen Spielraum lassen, damit Kinder selbst entscheiden können, wann sie sich welchem Thema widmen. Dennoch gibt es immer noch viel Frontalunterricht, was ich sehr schade finde. Zudem ärgert mich einfach, dass Bildungspolitik Sache der Länder ist. In Sachsen beispielsweise gibt es keine Gesamtschulen, was ich sehr schade finde. Auch stört mich, dass die Kultusministerkonferenz es nicht schafft zum Beispiel einheitliche Regelungen zu treffen, wann mit  der 1. bzw. 2. Fremdsprache begonnen wird oder wann auch der Wechsel auf die weiterführende Schule stattfindet. Ich finde das einfach nicht mehr zeitgemäß. Familien, die aus beruflichen Gründen in ein anderes Bundesland ziehen, haben es da sehr schwer und ich denke, dass es da durchaus Möglichkeiten geben würde einheitliche Standards zu entwickeln. Zudem wünsche ich mir aus Sicht des Erziehers eine bessere Zusammenarbeit mit Grundschullehrern, um auch diesen Übergang noch fließender gestalten zu können und Kindern all das mit auf den Weg geben zu können, was sie für einen guten Start in der Schule brauchen.

Du hast jetzt zwei Schulkinder, arbeitest in einem Kindergarten und beginnst berufsbegleitend Dein Studium. Wie sieht es da mit der Vereinbarkeit aus? Sicherlich ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen…

Das wird sich zeigen, aber ich bin tatsächlich optimistisch. Das hängt aber auch damit zusammen, dass mein Arbeitgeber mir bezüglich der Arbeitszeiten sehr entgegengekommen ist und mich als Mutter sehr unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich und ich bin froh und glücklich, dass dies alles so geklappt hat. Die Zeit in der ich das Studium absolviere wird sicherlich noch einmal eine Herausforderung, aber ich denke, dass wir das hinbekommen und es ist ja auch ein überschaubarer Zeitraum.

Schule, Schulanfang und Bildungspolitik - unsere Gedanken zum Schulstart

Wie war die Einschulung für Deine Tochter? Wie hat sie die ersten Tag heute erlebt?

Die Einschulung war ein großes Highlight für sie, denn wie auch schon bei der Großen haben wir alles daran gesetzt, ihr einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Wie ihr im WIB gesehen habt, haben wir recht groß gefeiert und sie war einfach glücklich an diesem Tag. Heute morgen ging das Aufstehen auch recht gut, denn sie war natürlich voller Vorfreude (ich bin mir aber durchaus bewusst, dass dies irgendwann umschlägt). Ihr erster Tag war vollgepackt mit vielen Eindrücken und sie kam aus dem Erzählen gar nicht mehr heraus. Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und hoffe, dass sie sich diese Freude zur Schule zu gehen noch eine Weile erhält…

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