Sylvi 0Comment

Ihr Lieben,

 

am Wochenende war ich in Berlin auf der Blogfamilia und nahm unter anderem an einem Workshop des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt. In meiner Arbeitsgruppe ging es um einen Chatbot, der entwickelt werden soll, damit werdende Eltern sich über staatliche Leistungen, wie das Elterngeld informieren können. Unter anderem war Rüdiger von Mannpluskind in meiner Arbeitsgruppe. Für mich ein „Vorzeigepapa“, wenn es um das Thema Elternzeit geht. Ich persönlich kenne nicht viele Männer, die länger als die üblichen zwei Vätermonate Elternzeit genommen haben. Aber selbst, wenn Väter diese zwei Monate in Anspruch nehmen, finde ich das super.

Die erste Elternzeit – kurz vor Einführung des Elterngeldes

Als ich vor 12 Jahren schwanger war, gab es noch gar kein Elterngeld. Unsere Tochter wurde im Oktober 2006 geboren, Elterngeld gab es aber erst für Kinder, die ab dem 1.1.2007 geboren wurden. Damals fand ich diesen Stichtag äußerst ungerecht, denn wäre unsere Tochter nur ein paar Monate später geboren, hätten auch wir Elterngeld beziehen können. Ich schrieb so gar eine Petition an den Bundestag und forderte, dass zumindest ab dem 1.1.2007 bis zum ersten Lebensjahr Elterngeld bezogen werden könne. Die Antwort war sehr eindeutig damals: Ein Stichtag sei nun mal ein Stichtag. Mir half das in meiner damaligen Situation allerdings nicht weiter. Ich war 22, Studentin und mein Mann nur am Wochenende zu Hause. Warum ich das betone? Nun, hätte es schon Elterngeld gegeben, hätte er ggf. wenigstens die Vätermonate genommen, um einfach ein bisschen länger bei seiner jungen Familie zu sein. Wir hatten Glück, denn uns stand wenigstens für 6 Monate Landeserziehungsgeld zu, aber aufteilen konnten wir uns die Elternzeit nicht. Auch ich fing nach einem halben Jahr wieder an zu studieren. Während ich vier Veranstaltungen pro Woche besuchte, kümmerte sich eine Freundin um unsere Tochter. Das klappte tatsächlich ganz gut, denn wir hatten unsere Studienpläne aufeinander abgestimmt.

Die zweite Elternzeit: Grundsätzlich deutlich mehr Möglichkeiten, aber dennoch ganz klassisch

Unsere zweite Tochter wurde 2012 geboren. Doch auch dieses Mal nahm nur ich offiziell Elternzeit. Mein Studium hatte ich 2010 abgeschlossen, doch ich wartete immer noch vergebens auf mein Referendariat. Schon aus finanziellen Gründen wäre eine längere Elternzeit des Mannes gar nicht möglich gewesen, denn ich hatte keinerlei Einkommen. Die zwei Vätermonate hätten wir aber sicherlich irgendwie überbrücken können und stellten verschiedene Rechnungen an. Ich erinnere mich noch gut, wie wir regelmäßig vor dem Elterngeldrechner saßen und alle möglichen Varianten durchspielten. Es kam aber auch dieses Mal anders. Der Lieblingsmann wurde aus beruflichen Gründen zu einem Sprachkurs verpflichtet, den er ganz in der Nähe unseres Wohnortes absolvieren konnte. Der Unterricht war nur halbtags und das bei vollem Gehalt. Ein halbes Jahr war er dort und irgendwie kam uns diese Zeit schon auch wie eine gemeinsame Elternzeit vor, denn schließlich war er immer am frühen Nachmittag zu Hause und nicht, wie wir es sonst kannten, nur am Wochenende. Nach dem Lehrgang wurde er direkt nach Leipzig versetzt und wir zogen mit. Auf Grund des neuen Arbeitsbereiches wäre eine Elternzeit für ihn zu diesem Zeitpunkt äußerst unpassend gewesen. Das heißt nicht, dass es nicht gegangen wäre, sondern nur, dass wir uns aus diesen Gründen dagegen entschieden haben. Nach meiner Elternzeit blieb ich nun auch weiterhin zu Hause. Auch das war eine ganz bewusste Entscheidung. Später folgte die Selbständigkeit und mittlerweile bin ich wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Für uns war dies immer genau so passend, da mein Mann beruflich einfach sehr eingespannt ist und Dienstreisen zum Tagesgeschäft hören.

Rechenexempel Elterngeld?

Dennoch glaube ich, dass mein Mann vom Prinzip her schon gerne in Elternzeit gegangen, wenn es finanziell möglich gewesen wäre. Und das ist im Grunde auch ein Aspekt auf den ich hinaus möchte: Natürlich können wir froh sein, dass es mittlerweile überhaupt solche staatlichen Leistungen gibt, aber auf der anderen Seite muss es für die Familien auch finanziell machbar sein. Oft genug ist es aber immer noch so, dass Männer mehr verdienen als Frauen und es für die Familien im Grunde einfach ein Rechenexempel ist, was schlussendlich darüber entscheidet, wie lange jeder Partner in Elternzeit geht.

Erhöhung des max. Elterngeldes wäre wünschenswert

Mittlerweile ist das Thema Elterngeld durch das Elterngeld plus und die Partnerschaftsmonate noch deutlich komplexer geworden und bietet noch mehr Möglichkeiten die Elternzeit flexibel und partnerschaftlich zu gestalten, doch auch diese Regelungen traten erst nach der Geburt unserer zweiten Tochter in Kraft und waren somit für uns bedeutungslos. Eines möchte ich aber noch anmerken, was mir nun, wo ich mich mit dem Thema Elterngeld noch einmal beschäftigt habe, aufgefallen ist. Damals, also 2007 wie heute, 2018, lag die maximale Höhe des Elterngeldes bei 1800€. Nach über 10 Jahren bedarf es da, meiner Meinung nach, schon einmal einer Korrektur – zumindest um die Inflationsrate… Gerade bei den steigenden Lebenshaltungskosten wäre es hierfür allerhöchste Zeit.

Wie habt ihr denn eure Elternzeit untereinander aufgeteilt? Ich freu mich über Kommentare von euch. Mehr Elternzeitgeschichten findet ihr übrigens bei Birgit von Provinzmutti.

 

Eure Sylvi
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