21. Dezember 2017 Sylvi 7Comment
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Ihr Lieben,

heute mal ein ganz anderes Thema, aber dafür eines, was mir besonders am Herzen liegt. Der Eine oder Andere weiß vielleicht, dass ich Lehramt für Geschichte und Sozialkunde studiert habe. Bereits im Studium habe ich mich deshalb oft mit gesellschaftswissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigt und bin an Büchern, die sich mit solchen Fragen beschäftigen immer sehr interessiert. Nun wurde von der Bertelsmann Stiftung Deutschland in Nahaufnahmen herausgegeben. Ein Buch, welches sich der Frage “Wie geht es Deutschland?” mit Hilfe von Sozialreportagen nähert.

Wie geht es Deutschland?

Ich habe mir vor der Lektüre dieses Buches bewusst Zeit genommen, um vorab meine persönlichen, ganz individuellen Eindrücke zu dieser Frage aufzuschreiben.

Wie steht es um Deutschland?

Befindet sich unsere Gesellschaft im Wandel?

Gibt es einen gesellschaftlichen Zusammenhalt oder leben wir in einer Ellenbogengesellschaft?

Und wie steht es um die vermeintliche Chancengleichheit?

Beim Lesen musste ich feststellen, wie sehr mich die einzelnen Reportagen sowie die ausgewählten Statistiken überraschten. In Deutschland in Nahaufnahmen. Sozialreportagen aus dem Land der Sozialen Marktwirtschaft findet der interessierte Leser acht unterschiedliche Reportagen junger Reporterinnen, die zusammengenommen ein für mich teilweise überraschendes Bild unserer Gesellschaft ergaben.

So nimmt uns Ben Schröder beispielsweise mit nach Sonneberg in Thüringen. Diese Kleinstadt verzeichnete in den letzten Jahrzehnten bundesweit gesehen das stärkste Wirtschaftswachtum. Sonneberg, eine Stadt, die wir mit der Spielwarenproduktion verbinden und die, wie viele ostdeutsche Städte, nach der Wiedervereinigung zunächst eine Krise erlebte. Heute jedoch liegt die Arbeitslosenquote lediglich bei rund drei Prozent und es herrscht akuter Fachkräftemangel. Anders sieht es hingegen in Leverkusen, der Heimat des Bayer-Konzerns, aus. Ben Schröders Reportage über die verschiedenen Gesichter des Strukturwandels beeindruckt mich, denn ich komme zu Erkenntnissen, die ich so nicht erwartet hätte.

Street Credibility: Leipzig boomt. Aber nicht überall!

Für mich besonders interessant ist die Sozialreportage von Judith Koch über die Leipziger Eisenbahnstraße. Die Eisenbahnstraße liegt im Leipziger Osten und gilt als die gefährlichste Straße Deutschlands. Diese kann man mit Problemvierteln, wie Berlin-Moabit oder Hamburg-Mümmelmannsberg vergleichen. Ein Viertel mit einem hohen Anteil an Migranten und zugleich kriminalgeografischen Schwerpunkt.

Ich lebe seit fünf Jahren in Leipzig und erinnere mich noch gut an unsere ersten Eindrücke von der Stadt. Einer unserer ersten Wochnungsbesichtungstermine führte uns ganz in die Nähe der Eisenbahnstraße. Die Wohnung war schön, das Umfeld entsprach hingegen nicht unseren Vorstellungen. Als Familie wollten wir dort nicht leben und entschieden uns bewusst für einen anderen Stadtteil.

Die Eisenbahnstraße befindet sich jedoch nicht am Stadtrand, sondern liegt nur zwei, drei Stationen vom Hauptbahnhof und der Innenstadt entfernt und die Kluft zwischen arm und reich ist für mich immer wieder spürbar, wenn ich mit der Straßenbahn in diese Richtung fahre. Wie gesagt, die Straße verändert sich. Es gibt mittlerweile einen Bioladen und ein Kinderrestaurant. Noch gilt die Eisenbahnstraße als die gefährlichste Straße Deutschlands, aber mittlerweile scheint sich die Eisenbahnstraße zu verändern. Die Gentrifizierung ist im vollem Gange.

Von außen betrachtet, ist es schon so, dass Leipzig sehr extreme Seiten hat und dadurch auch ambivalente Lebensrealitäten aufweist. Leipzig boomt, aber eben nicht überall.

Tatsächlich empfinde ich das Leben in Leipzig genau so, wie es Judith Koch in ihrer Sozialreportage herausarbeitet. Ich würde zwar nicht so weit gehen, dass in Leipzig eine bürgerliche Mitte fehlt, aber es ist schon so, dass Leipzig zum einen zu den deutschen Städten gehört, die eine hohe Armutsquote aufweisen und es zum anderen auch sehr viele Besserverdiener gibt.

Knapp ein Viertel der Einwohner gilt jedoch als arm und daran hat auch die Ansiedlung großer Unternehmen wenig geändert. Die Mieten steigen auch in Leipzig in den letzten Jahren rasant. Und auch, wenn sie im bundesdeutschen Vergleich noch auf einem recht geringen Niveau liegen, so kenne ich in meinem Bekanntenkreis genügend Menschen, die diese Entwicklung sorgt. Sie haben Angst, dass ihnen eine Teilhabe an kulturellen Angeboten nicht mehr möglich ist und sie sich finanziell noch mehr einschränken müssen.

Deutschland in Nahaufnahmen

In Deutschland in Nahaufnahmen. Sozialreportagen aus dem Land der Sozialen Marktwirtschaft werden Menschen und nicht Zahlen in den Mittelpunkt gestellt und durch diese Herangehensweise gelingt eine Bilanz der besonderen Art. Es ist ein Buch voller erhellender Einsichten, das nicht die Extreme zeigt, sondern das Normale sucht und findet.

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Viel Glück wünscht euch

7 thoughts on “Wie geht es Deutschland? Deutschland in Nahaufnahmen (Verlag Bertelsmann Stiftung)

  1. Soziale Ungleichheit ist der Motor für unser System. Dass man es besser haben will als die eigenen Eltern ist für viele ein Antrieb es zu schaffen. Ungerecht ist es, dass Kinder immer mit drin stecken und sich selbst erst als Erwachsene befreien können. Das finde ich ungerecht.

  2. Liebe Sylvi,

    wir wohnen sehr ländlich und bekommen nur wenig von sozialer Ungleichheit mit. In großen Städten wie Leipzig ist das schon anders. Ein sehr spannendes Thema, mit dem wir uns alle beschäftigen sollten.

    Liebe Grüße

    Christine

  3. Soziale Ungleichheit gab es immer & wird es wohl immer geben. In jeder Stadt gibt es Viertel, die schöner sind & die weniger schön sind, in Leipzig ist es ja nicht nur die Eisenbahnstraße.
    Vg Janet

  4. Ich habe mich kurz in das Buch “Wie geht es Deutschland?…” hinein gelesen und denke es ist sehr interessant.
    Die soziale Ungleichheit fängt doch schon bei den Unternehmen an:
    Wenn man die Statistiken verfolgt, hört “Mann/Frau” seit Jahren vom Wachstum der verschiedensten Unternehmen. Was merkt der einzelne Angestellte davon und was merkt die Bevölkerung vom wirtschaftlichen Wachstum in Deutschland? NIX ! ! !
    Wer heute (dies schon seit Jahren) in Lohn und Brot steht, hat das Gefühl : “ausgepresst, wie eine Zitrone” zu werden.
    Ich arbeite seit über vierzig Jahren als Erzieherin und stelle fest : es wird immer MEHR, was uns abverlangt wird.
    Andersherum merke ich aber auch: “Kinder haben keine LOBBY”, dabei sind sie doch unsere Zukunft.
    Wer erkennt endlich die Leistungen von Erzieher/innen an und steckt MEHR Geld in die Bildung?
    Diese fängt schon in der Krippe an !
    Und wann wird auf den Fachkräftemangel reagiert?

    Liebe Grüße
    vom “Tiger”

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