Sylvi 35Kommentare

Ihr Lieben,

vor kurzem habe ich euch das Buch: Die Mutterglücklüge von Sarah Fischer hier auf dem Blog vorgestellt. Das Thema hat mich nicht losgelassen, denn auch nach der Lektüre des Buches hatte ich dennoch das Gefühl nicht zu wissen, wie sich betroffene Frauen fühlen. Ich las im Netz weiter und machte mich auf die Suche nach Betroffenen. Anne* konnte ich dazu bewegen mir ein Interview zu geben.


Magst du kurz ein bisschen was über dich erzählen?

Ich bin 49 Jahre alt, habe drei erwachsene Kinder (zwischen 22 und 29 Jahre), die mittlerweile auf eigenen Beinen stehen und bereits ausgezogen sind, und bin im medizinischen Bereich tätig. Mein Mann und Vater der Kinder ist im Januar 2011 leider verstorben. Ich lebe mittlerweile also alleine in unserem Haus in einer eher kleinen Stadt, habe aber oft gute Freunde um mich herum, 🙂 .

Hast du dich gefreut als du schwanger wurdest?

Meine Kinder waren geplant, aber nicht wirklich gewünscht. Ich war bei dem ersten Kind selbst noch jung, habe gerade mein Studium begonnen und hatte leider wenig Selbstbewusstsein. Eigentlich wollte ich nie Kinder haben – ich wollte mich auf mich selbst und meine Ziele konzentrieren. Wie es aber leider so oft ist, hatten nur wenige Menschen Verständnis dafür, zumal mein Mann Kinder geplant hat (er wusste, dass ich andere Pläne hatte). So kam es dazu, dass ich permanent direkt und indirekt von Familienmitgliedern, meinem Mann und meinem allgemeinen Umfeld dazu „gedrängt“ wurde, Kinder zu bekommen. Irgendwann habe ich selbst geglaubt, dass ich absolut egoistisch und unnormal bin. Es kam dazu, dass wir uns darauf „geeinigt“ haben, den „Zufall“ entscheiden zu lassen – der auch schnell zugeschlagen hat. Die beiden weiteren Kinder sind ähnlich entstanden. Irgendwas hat mir gefehlt, um meine eigenen Wünsche durchzusetzen. Leider hat sich das natürlich auch negativ auf unsere Ehe ausgewirkt, da ich es ihm oft übel genommen habe, dass er mich in diese Lage gebracht hat (dennoch habe ich die Ehe unterm Strich als glücklich angesehen und ihn sehr geliebt, außerdem war er sehr verständnisvoll im Bezug auf meine Gefühle und hat mich bestmöglich unterstützt).

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Wie fühltest du dich, als du dein Kind das erste Mal im Arm hattest?

Bei allen Kindern hatte ich tatsächlich sehr gemischte Gefühle. Einerseits habe ich mich gefreut, andererseits habe ich mich in den Schwangerschaften, unter den Geburten und danach regelmäßig gefragt, was ich mir bloß dabei gedacht habe und wie ich das schaffen soll, beziehungsweise was ich mir für die Zukunft erhoffe und wo ich mich mit (einem weiteren) Kind sehe. Ich habe mich von jetzt auf gleich von meinem gewohnten Leben verabschieden müssen. Es hat sich oft falsch angefühlt und als ich die Kinder in den Armen liegen hatte, war ich zwar froh, aber im ersten Moment auch überfordert und von Zweifeln geplagt. Die rosarote Brille gab es auch, das war im Nachhinein aber mehr ein schönreden und „an-die-gesellschaftlichen-Erwartungen-anpassen“.

In welchen Situationen bereust du deine Mutterschaft?

Meine Entscheidung für Kinder bereue ich permanent, das ist nicht situationsabhängig. Besonders schlimm war/ist es aber, dass meine Tochter (zweites Kind) einige gesundheitliche Probleme hat, die den Umgang mit ihr schon immer besonders gemacht haben. Auch fiel es mir immer sehr schwer, zu sehen, wie andere Leute das Leben führen, das ich gerne geführt hätte. Wenn Kollegen ins Ausland gegangen sind und dort die Projekte durchführten, von denen ich bereits in meiner Jugend geträumt habe oder wenn Freunde ihre Freiheiten und Spontanität genossen und ich 24/7 meine Kinder, inklusive einem Kind mit besonderen Bedürfnissen, bespaßen und versorgen musste.

Wie ist deine Beziehung zu deinem Kind? Ist euer Verhältnis dadurch belastet?

Ich habe, zum Glück, trotzdem ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Ich liebe sie als Personen abgöttisch und wir haben immer viel Spaß miteinander. Dennoch muss ich gestehen, dass es für mich kaum etwas Schöneres gibt, als die Tatsache, dass sie nun endlich auf eigenen Beinen stehen, ich mich wieder auf mich konzentrieren kann und unabhängig bin.

Wenn du die Uhr zurückdrehen könntest, würdest du dich wieder für ein Kind entscheiden?

Nein. Ein ganz klares „nein“ an dieser Stelle! Ich würde auf gar keinen Fall nochmal so entscheiden. Schon gar nicht für mehrere, da ich, wenn es bei einem Kind geblieben wäre, schon seit zehn Jahren das gröbste hinter mir hätte (aber nein, es mussten ja drei sein, wodurch es über 25 Jahre gedauert hat, bis das „Ende“ in Sicht war). Ich würde meinen Plänen treu bleiben und mich keinesfalls erneut beeinflussen lassen. Da ich meine Kinder sehr liebe, kann ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen aber ich hätte absolut nichts dagegen, wenn sie die Kinder meiner Freunde o.ä. wären.

Warum fühlst du dich in deiner Mutterrolle nicht wohl?

Weil ich nicht mehr ich selbst sein kann. Ich habe vieles aufgeben müssen und werde oft nur als „Mutter von …“ betrachtet. Ich habe/hatte verdammt viel zu tun und musste mich dabei stets hinten anstellen. Meine Pläne konnte ich an den Nagel hängen (schon allein, da vieles mit meiner Tochter besonders schwierig war), genau wie all meine Spontanität und Unabhängigkeit. Alles hat sich nach den Kindern gerichtet, ich war nicht mehr existent. Mal mit Freunden ausgehen? Einen schönen Abend mit dem Mann verbringen? Bei schönem Wetter an den See? Urlaub? Schlaf? All das war mit der ersten, spätestens zweiten Entbindung Geschichte. Die Gefühle wurden auch von Kind zu Kind unerträglicher, da das „Ende“ in immer weitere Ferne rückte. Besonders schlimm war es für mich auch, wenn meine Kinder schlechte Erfahrungen sammeln mussten. Insbesondere meine Tochter war oft unzufrieden. In solchen Momenten kommen besonders viele Zweifel auf. Schließlich habe ICH einfach so bestimmt, dass genau diese Kinder genau jetzt und genau hier leben MÜSSEN. Sie hat schließlich niemand gefragt. Solche Momente gibt es aber leider immer, weshalb ich eher behaupten würde, dass das Hauptproblem das aufgeben meiner Selbst war. Mein Leben war schlagartig „vorbei“ und kam erst kürzlich zurück, als die Kinder groß waren. Erst jetzt kann ich richtig verreisen, die Welt entdecken, meine Pläne verwirklichen (insb. Arbeit in Entwicklungsländern), und und und.. Oft frage ich mich, wie ich das bloß so weit hinausschieben konnte. Ich hätte in dem Vierteljahrhundert so viel erreichen und auf die Beine stellen können.. Naja, ändern kann man es leider nicht mehr, ich kann lediglich versuchen noch möglichst viel nachzuholen.

Hast du Hilfe in Anspruch genommen?

Nennenswerte Hilfe habe ich nie in Anspruch genommen, unter anderem da mir ohnehin klar war, weshalb ich so fühle und ich zum Glück auch schnell herausgefunden habe, wie ich damit am besten umgehe. Ich bin eigentlich kein Mensch, der Dinge großartig bereut und überdenkt – die Zeit umstellen kann man schließlich sowieso nicht mehr. Ich habe allerdings intensiv mit meinem Mann und Freunden darüber gesprochen und hatte auch das riesige Glück, auf Verständnis zu stoßen. Auch konnte ich die Arbeit relativ gut im Freundeskreis aufteilen, sodass ich manchmal wenigstens kurz ich selbst sein konnte.

Was möchtest du Müttern auf den Weg geben, die genauso fühlen, wie du?

Anderen Müttern, die ähnliche empfinden, möchte ich zuerst sagen, dass es besser wird! Irgendwann sind die Kinder groß und man kann wieder auf eigenen Beinen stehen. Auch kann es wirklich hilfreich sein, wenn man versucht sich Unterstützung zu suchen. Scheut euch nicht davor, das Kind auch mal in „fremde“ Hände zu geben. Was ich natürlich auch für extrem wichtig halte, ist die goldene Regel „lasst euch nichts sagen“. Lasst euch nicht sagen, dass ihr schlecht seid, dass ihr euch nicht schlecht fühlen dürft und auch, dass ihr noch weitere Kinder bekommen müsst, obwohl ihr vielleicht gar nicht mehr wollt/könnt.

Was möchtest du den Müttern sagen, die in ihrer Mutterrolle total aufgehen und dich nicht verstehen können?

Mütter, die es sehr gerne sind, sollten dies natürlich genießen. Folgendes bezieht sich immer nur auf bestimmte „Gruppen“ und keinesfalls auf alle Mütter: Ich würde mir mehr Verständnis wünschen. Nicht jede Frau ist gerne Mutter und schon gar nicht ist alles rosarot. Ich finde es auch nicht fair, alles schönzureden – schon gar nicht Personen gegenüber, die eigentlich keine Kinder wollen. Diese sollten erstrecht in Ruhe gelassen werden, da man mit bewussten und auch unbewussten Druck genau das erreichen kann, was ich erlebt habe. Es ist eben einfach nicht so, dass Kinder für jeden eine Bereicherung sind, dass es das alles wert ist und die schönen Dinge überwiegen. Zumindest nicht für jeden. Steckt eure Energie lieber direkt in die Förderung von eurem Kind, statt bei jeder Gelegenheit zu erzählen, wie schön alles doch ist und dass jeder Mensch unbedingt selbst Kinder bekommen muss.


Liebe Anne*, ich danke dir sehr für deine Offenheit und, dass du dir die Zeit genommen hast uns etwas über dich, deine Familie und deine Gefühle zu erzählen. Danke.

Und liebe Leser dieses Interviews: Anne* freut sich mit Sicherheit auch über Reaktionen von euch. Könnt ihr sie verstehen?

Eure

Sylvi

*Name geändert
Bildquellen: Pixabay

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35 thoughts on “„Meine Entscheidung für Kinder bereue ich permanent“ – Regretting Motherhood: Interview

  1. Super Interessant und ehrliches Interview. Toll, dass „Anne“ jetzt doch noch ihren Träumen folgen kann. Ich kann sie verstehen, obwohl ich eher zu der Gruppe gehöre die gerne Mama ist. Aber die Probleme, dass man nicht mal mehr so schnell machen kann was man möchte, die Welt bereisen o.ä. trifft natürlich auch zu.

  2. Liebe Anne*,

    ich bin aus Leib und Seele Mama!!!
    Mit all meinen Fehlern und dennoch mit meiner unendlich, großen Liebe zu meinen Kindern.
    Aber deshalb würde ich Deine Einstellung zu Deinem bisherigem Leben mit Deinen Kindern niemals verurteilen.

    Ich habe sehr großen Respekt vor Deiner Ehrlichkeit und Offenheit zu diesen Thema und finde es sehr mutig, so tief in Deine Seele blicken zu lassen.

    Auch ich kann mich bis heute zum Beispiel nicht mit dem Gedanken anfreunden, schwanger zu sein!!!
    Ich würde schon fast meinen, ich hasste es!
    Meine Beleghebamme bestärkte mich in meiner Meinung, ich selbst sein zu dürfen und diese Empfindungen ruhig haben zu dürfen!
    Die Unbeweglichkeit durch circa 30-40 Kilo Gewichtszunahme bei beiden Kindern. (Ödeme lassen grüßen)
    Die hormonelle Umstellung ist für alle in meiner Umgebung ein Kraus und natürlich für mich am allermeisten.

    Mein Mama-Dasein bekann immer erst dann, wenn das Baby auf der Welt war!
    Natürlich waren Kindsbewegungen toll und ich war auch immer seelisch und körperlich mit den Ungeborenen vereint, aber eine Schwangerschaft konnte ich persönlich nie gebrauchen;)))

    Also, alles Liebe für Dich und Deine Kinder, schön dass Du Deinen Weg jetzt wieder gefunden hast.

    Liebe Grüße
    Katja

  3. Sehr interessant und ich finde es schlimm, dass es weiterhin den sozialen Druck gibt, als Frau Mutter werden zu müssen. Und besonders, dass erwartet wird, es ist norm als Frau Kinder haben zu wollen.
    Ich hoffe in Zukunft werden mehr Frauen ihrem Gefühl vertrauen und nur Mutter werden, wenn sie es sich wünschen und nicht das Umfeld oder Gesellschaft.

  4. Wow, was für ein ehrliches Interview! Das Gefühl, sich selbst hinten anzustellen und nur noch die Mutter von… zu sein, das kenne ich. Auch wenn ich selbst absolut nicht bereue.
    Schade, dass sich das Gefühl in all den Jahren bei Anne nicht geändert hat und sie erst jetzt wieder aufgeht. Und schade, dass sie nicht die Kraft hatte, am Anfang für sich zu entscheiden.
    Was ich nur wirklich hoffe: dass die Kinder nicht wissen und spüren, wie die Mutter fühlt.

  5. Puh.
    Ein bisschen Bauchweh habe ich beim lesen. Ich glaube schon, dass die Kinder es gespürt haben, schon die Kleinsten haben da ganz feine Antennen dafür.
    Allerdings finde ich, dass man immer das sehen muss was man hat und nicht das was man nicht hat. Ich könnte den ganzen Tag bereuen, dass ich ein 2. Kind wollte und das dann blöderweise das Down Syndrom hat. Komisch, ich bereue es aber trotzdem nicht und ja andere können jetzt langsam schon wieder durchatmen und ich habe den Rest meines Lebens die Sorge um mein Kind. Das ist aber so und hätte, wäre, wenn zieht einen nur runter.
    Allerdings finde ich es schwierig nicht auf seinen Bauch zu hören, sondern auf andere.

  6. Sehr interessant geschrieben. Ich empfinde zwar nicht so, ich liebe es Mutter zu sein. Aber verstehen kann ich Anne schon, grade die Punkte Verreisen und Spontanität waren für mich schon eine Umstellung, aber nun weiß ich ja, für wen ich auf all das verzichte 🙂
    Ich hoffe Anne kann ich Leben nun leben wie sie es sich für sich selbst entscheidet und holt vieles nach.

    Liebe Grüße,
    Swantje

  7. Ich denke, die Gefühle die sie als Mutter kennengelernt hat kennt jede Mutter. Egal ob das Mutter sein gewünscht ist oder nicht. Nur finde ich es den Kinder gegenüber unfair, sie erst in die Welt zu setzen und dann zu sagen, ich wollte keine. Es geht ja um ein Lebewesen und kein spontaner Jeans kauf. Das spricht für mich von absoluter persönlicher Schwäche und ich denke nicht, dass sie ohne Kinder ihre Träume umgesetzt hätte. Wir reisen trotz Kind oder gerade deswegen. Wir „leben“ gerade wegen dem Kind. Realisieren unsere Träume und versuchen uns zu verwirklichen. Gern würde ich in zwanzig Jahren nochmal ein Interview von der Dame lesen ob Sie dann wirklich IHR Leben gelebt hat.

  8. Sehr spannend diese Perspektive. Ich glaube, jede Mutter (und jeder Vater) hat solche Gefühle hin und wieder in unterschiedlicher Intensität. Elternschaft ist harte Arbeit und die Entscheidung dafür sollte in keinem Falle aufgezwungen werden.

    Trotzdem finde ich, dass das, was *Anne* hier beschreibt, einfach sehr nach Überlastung/zu wenig Raum klingt und das ist etwas, das durch ein gutes und starkes Netzwerk in vielen Fällen aufgefangen oder zumindest abgemildert werden könnte.
    Aber die Strukturen sind leider nicht so, Kinder müssen quasi irgendwie nebenbei und ganz allein betreut werden, egal wie müde man ist, egal, ob man einfach mal 5 Minuten allein sein möchte.
    Dass das gesamtgesellschaftlich und innerfamiliär nicht besser geregelt ist, ist traurig. Ich glaube, sonst gäbe es deutlich mehr Eltern, die mit ihrem Leben und ihrer Elternrolle zufrieden wären!

  9. Womit ich hier und bei allen anderen Beispielen, von denen ich bisher gelesen oder gehört habe, Schwierigkeiten habe, ist, daß sie alle sagen, sie lieben ihre nicht gewollten Kinder. Das, meine ich, kann nicht sein.
    Aber ich denke, das einzugestehen, ist noch ein viel größeres Tabu als zu sagen, ich bereue, Mutter geworden zu sein.
    Ich liebe ja mein Kind, ich bin nicht so schlecht.
    Abgesehen davon, dass „regretting motherhood“ eine Modewelle ist, kann ich die Frauen nicht ernst nehmen, weil ich nicht glaube, dass man ein Kind lieben kann, das zu haben man, wie man ehrlich zugibt, bereut.

  10. Die Frau hat ja mit 20 Jahren schon ein Kind bekommen. Sehr früh. Sie hätte ja erst Karriere machen können etc. Viele Frauen wollen dann mit Ende 30/Anfnag 40 doch noch ein Kind. Und warum hat die Frau gleich 3 Kinder bekommen? Da merkt man doch schon nach einem Kind,ob einem das Leben mit Kind gefällt oder nicht.

  11. Ich hab noch keine Kinder geschweige denn den passenden Mann dazu, kann mich aber gut irgendwann als Mama sehen. Die Vorstellung mich dafür aber aufzugeben, wie ich das oft genug persönlich in meiner Umgebung gesehen habe, macht mir aber Angst. Anna’s Erfahrungen klingen für mich nach Selbstaufgabe. Es muss doch möglich sein mehr als „nur‘ Mutter zu sein! Wir alle sind so viel mehr als eine eine Rolle, sondern sind so viel! Wir sind eigenständige Persönlichkeiten mit Wünschen und Träumen, Bedürfnissen und nicht nur eine Rolle. Natürlich ist nicht mehr alles möglich, wenn man Kinder bekommt und man muss Kompromisse eingehen. Das heißt aber nicht, dass man nicht mehr auf seine eigenen Bedürfnisse Rücksicht nehmen kann. Man braucht mehr als eine Person um Eltern zu werden. Ein Kind ist schließlich Teil einer Familie, einer Gemeinschaft, teils Verwandtschaft oder auch Freunde. Ich würde gerne zuerst Tante sein und am Leben eines Kindes Teil haben, bevor ich die viel größere Verantwortung übernehme, Mama zu sein.

  12. Danke Anne für diese Ehrlichkeit. Und danke für diesen Artikel.
    Ich selbst bin jetzt gerade 30 geworden und spüre den gesellschaftlichen Druck um mich, dass es jetzt doch langsam mal an der Zeit wäre Kinder zu bekommen.
    Ich selbst hab das Bedürfnis nie verspürt und auch jetzt tickt keine innere Uhr.
    Immer wieder frage ich mich, ob ich ’normal‘ bin. Ob das okay sei keine Kinder zu wollen und sich auf sein Leben und seine Karriere konzentrieren zu wollen. Ich liebe mein Leben tatsächlich so wie es ist – ich spüre auch so jede Menge Liebe um mich – wenn ich ein Kind hätte, dann würde ich gleichzeitig alles mögliche für dieses tun, mich selbst und meine Wünsche hinten anstellen. Es macht mir Mut so einen Artikel zu lesen.
    Da weiß ich, dass ich nicht allein bin. Und das es okay ist. Ich möchte kein Kind bekommen, weil es so erwartet wird, sondern weil ich mich dafür bereit fühle. Wer weiß, vielleicht denk ich irgendwann anders (und vllt ist es dann auch schon zu spät), aber momentan denke ich, dass das genau der richtige Weg für mich ist.

    PS: Zu Wortgerinnsel. Dem muss ich widersprechen. Ich glaube nicht, dass nur, weil man etwas nicht wollte, etwas nicht lieben kann.
    Ein dummes Beispiel, aber als ich mir vor einigen Jahren einen Hund holte, den meine Eltern nicht wollten, haben sie dennoch sehr viel Liebe für dieseson Tier empfunden und waren am Boden zerstört, als dieser verstorben ist. Nein, damit möchte ich Kind und Hund nicht gleichsetzen, aber das eine schließt das andere nicht aus. Viele Frauen werden ungeplant schwanger und sagen auch, dass es zB nicht der richtige Zeitpunkt war, sind aber unendlich glücklich, diese Person an ihrer Seite zu haben.
    Ich behaupte jetzt einfach mal von mir selbst, dass ich auch so ein Mensch wäre, der wenn er Kinder bekommen würde, sich vollends für diese aufopfern würde und sie rundum lieben würde. Dass man aber einen anderen Weg für sich als besser erachtet hätte, schließt das doch nicht aus.

    1. Damit hast du ganz recht, Dite. Das sagen aber die Frauen so nicht. Sie sagen nicht, ich bin ungewollt Mutter geworden, aber, als das Kind dann da war, liebte ich es. Sondern sie sagen, ich bereue es das Kind zu haben, nicht in der Vergangenheit, sondern ich bereue es jetzt nach wie vor. Aber ich liebe mein Kind dennoch. Das ist die bHaltung, mit der ich beim besten Willen nichts anfangen kann.

  13. Ich habe es gelesen und bin (noch?) gar keine Mutter.
    Anne spiegelt aber genau den Zweispalt wieder, den ich lebe. Eigentlich möchte ich schon mal Kinder. Auch gerne. Abdererseits möchte ich noch so viel mit meinem Leben machen, wo Kinder einfach nicht mit reinpassen. Gleichzeitig rennt die Zeit nebenher mit. Ich bin 29, ausgelernt – und hätte Kinder bekommen können. Aber jetzt möchte ich erstmal noch studieren, reisen…mich selber noch finden, mein Leben leben. Mich nicht nach anderen richten.
    Aber genauso oft wünsche ich mir ein Kind und beneide Mütter um ihr Muttersein.

    Ich glaube, durch die ganzen Möglichkeiten, die man heute hat, ist es schwerer geworden, sich zu fokussieren.

    1. Genau so sehe ich das auch. Ich habe mein erste Kind während meiner Berufsbildung mit 22 bekommen und muss ehrlich gestehen, dass ich oft überfordert war und wollte, dass sie schnell „groß“ wird. Jetzt bin ich 36, verheiratet und habe einen 6 Monate alten Sohn und bin für meine 13 jährige Tochter unendlich dankbar und bereue es, ihre Baby- und Kleinkindzeit nicht richtig genossen zu haben. Ganz anders als jetzt bei meinem Sohn!

  14. Danke für dieses sehr ehrliche Interview. Ich selbst wollte nie Kinder haben und auch wenn noch sehr selten eine Frage kommt weshalb, so hat es der Großteil meiner Familie schon lange akzeptiert und auch gesellschaftlich ist man, meiner Meinung nach, mittlerweile recht offen für das Thema. Aber es ist wirklich interessant gelesen zu haben, wie es dann trotzdem ist Kinder zu haben. Viele haben mir immer gesagt „Wenn du dein Kind dann in den Armen hälst, wirst du dich ganz anders fühlen!“ – manchmal eben nicht! Schön, dass „Anne“ sich ihre eigenen Träume jetzt endlich verwirklichen kann!

  15. Ein sehr interessantes Interview. Ich habe schon häufiger darüber gelesen, aber so wirklich nachvollziehen kann ich das Gefühl meist nicht. Es waren Frauen dabei, die sich ja sogar Kinder gewünscht hatten, und waren dann plötzlich so überrumpelt von der Verantwortung und den Veränderungen die so ein Kind mit sich bringt, dass ich mir schon die Frage gestellt habe, wie man sich denn so naiv in die Mutterschaft stürzen kann. Bei Anne kann ich es ein Stück weit nachvollziehen, weil sie tatsächlich in die Rolle gedrängt worden ist. Warum sie allerdings dann doch noch ein 2tes und 3tes Kind bekommen hat, verstehe ich nicht mehr. Vor dem 1sten kann man ja wirklich noch denken, dass sich die Gefühle noch ändern, wenn der Wurm dann da ist. Wenn man dann aber merkt, dass dies eben nicht der Fall ist, dann bekomme ich doch nicht noch weitere Kinder. Also da muss ich schon sagen, dass das eher von einem schwachen Charakter zeugt, wenn man sich – bei so einem großen Thema – so dermaßen gegen die eigenen Gefühle und Überzeugungen zu etwas überreden lässt.

    Ich persönlich finde grundsätzlich, dass das jeder für sich selbst entscheiden muss. Für mich waren Kinder schon immer fester Bestandteil meiner Lebensplanung. Und ich habe das auch tatsächlich immer sehr früh mit möglichen Partnern geklärt, weil jemand ohne Kinderwunsch für mich nicht in Frage gekommen wäre. Denn das ist so ein schwerwiegender Punkt, der zwangsläufig immer zu Konflikten führt.

    Anne wünsche ich jedenfalls, dass sie sich nun selbst verwirklichen kann.
    LG, Tina

  16. Vor allem Dir, liebe Sylvi, so vielen lieben Dank, dass Dich dieses Thema so beschäftigt hat und dass Du uns, Deinen Lesern und Leserinnen, dieses Interview zu lesen und an Annes Erfahrung teilhaben zu lassen, ermöglicht hast. Großartig und ein denkanstossender Impuls. Danke!
    Liebe Grüße
    Charlotte

  17. Ich lasse mich selten zu harten Aussagen hinreißen, aber einige Passagen fand ich einfach lächerlich.
    Wie kann man sich denn bitte zu Kindern „überreden“ lassen? Und dann auch noch gleich zu 3en? Sorry, aber die Dame hätte auch ohne Kinder sicher nichts in 25 Jahren „erreichen und auf die Beine stellen können“. Dazu ist sie offenkundig viel zu schwach.
    Und ja, ich bin Mutter und kann nicht verstehen, wie man so empfinden kann. Aber wenn sich jemand gegen Kinder entscheidet – klar! Alles richtig gemacht! Aber Kinder in die Welt setzen und sie für die eigene Schwäche büßen lassen, ist echt armselig.

  18. Danke für das Interview und die Offenheit! Es ist überhaupt nicht nötig, dass hier – wer auch immer – über das Leben und die Einstellung von – wem auch immer – urteilt. Viel wichtiger ist es doch, andere Personen so sein zu lassen, wie sie sind. Mal über den Tellerrand hinausblicken, denn es gibt nicht nur die eigene Meinung. Es gibt solche Frauen und solche. Einfach nur wahrnehmen. Nicht bewerten und nicht urteilen.

  19. Wie traurig ist das denn? Das Interview zeigt gleichzeitig, dass man als Mama ruhig mal egoistisch sein darf: Babysitter nehmen und was für sich machen. Dann kommen solche Gefühle seltener, als wenn man sich komplett aufgibt. Ich wäre so jung auch noch nicht bereit gewesen, hab die Kids mit 36 und 39 gekriegt, das war für mich gut so.

  20. Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen, auch wenn ich sie selbst nicht gehabt habe. Allerdings glaube ich, dass jede Mutter mal Zweifel hegt, ob ihre Entscheidung nicht falsch gewesen ist. Und besonders die Supermütter habe ich hier im Verdacht.
    LG
    Sabienes

  21. Jup, mit Kindern kann man nicht mehr immer das machen was man will. Aber könnte man das ohne? In Beziehungen muss man immer auf andere Rücksicht nehmen oder man führt ein Leben als Einsiedlerin aka EIgenbrödlerin, dann würde man wahrscheinlich irgendwann bereuen, dass man nie Kinder bekommen hat 😉 LG, Ella

  22. Mich schmerzt das Interview, weil ich persönlich nicht nachvollziehen kann, dass Anne sich so sehr in den Hintergrund gestellt hat und daher leider die Mutterschaft bereut. Okay, damals hat man erst recht nicht über das eigene Seelenleben geredet, nach außen stark sein müssen. Die Gesellschaft will ja perfekte Frauen und diese müssen dann wenigstens ein Kind haben.
    Ich selbst bin erst seit einem Jahr Mama und weiß nicht, was die Zukunft bringt. Noch bereue ich nichts, denn seit der Geburt fühle ich mich vollständig, wirklich am leben. Zuvor hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlt.

    Im übrigen habe ich eine Freundin, die auch nie Kinder haben will und unterstütze sie, weil ich Gründe dagegen auch verstehen kann. Ihre Eltern würden gerne Großeltern werden, versuchen ihr dies immer wieder schmackhaft zu machen. Ich hingegen bin ehrlich und erzähle, was anstrengend ist, sobald man ein Kind hat.
    Natürlich könnte es sein, dass sie Frauen eines Tages bereuen, nie Mutter geworden zu sein. Schlimmer finde ich es aber, wenn Frauen es trotz des Unwillens sind (gesellschaftliche Zwänge), jedoch ihre Kinder als Last ansehen und keine Liebe geben können. So bei meiner Mutter und mir. Jung schwanger geworden, ihre Mutter war gegen eine Abtreibung und letzenendes musste ich als Kind immer die Distanz spüren und lebte meiste Zeit bei meiner Großmutter.

  23. Ganz offen und ehrlich: ich bin sprachlos. Total sprachlos.
    Es ist immer wieder schade, dass Menschen (egal ob Frau oder Mann) zu sich nicht völlig ehrlich sind und zu ihren Träumen, Entscheidungen stehen und diese auch „Durchsetzen“. Statt dessen wird die Schuld einfach immer auf andere und das System geschoben. Das Produkt, in diesem Falle die geborenen Kinder, haben keine Chance, dass sie wieder rückgängig gemacht werden können. Sie leben nun auf dieser Welt und spüren die „Emotionen“ (gute und weniger gute) der Eltern.
    Und das „schlimme“ an diesem Ganzen ist, dass die Kinder – meistens unbewusst – das Verhalten ihrer Eltern weiterleben und das evtl. an ihre Kinder weitergeben.

  24. Wow!
    Deine Worte erschrecken mich .
    Nicht das ich dich verurteile oder als schlechten Menschen ansehe ,aber ich habe solche Äußerungen noch nie von einer Mutter gehört .
    Vielleicht weil Betroffene sich nicht trauen !?
    Ich frage mich was deine Kinder fühlen würden wenn sie es so offenbart bekommen würden .
    Für meinen Geschmack ist es sehr drastisch geschrieben. Sicher aber aus der Ehrlichkeit heraus und somit annehmbar.

    Für mich es es absolut schwer nachvollziehbar ,weil ich die Geburt meines Sohnes als DAS Tollste überhaupt empfinde.

    Jedoch ist es offenbar keine Selbstverständlichkeit und macht es damit noch kostbarer für mich .

    Vielen Dank für deinen Beitrag !! Das Lesen watschet interessant und macht mich wieder ein Stück toleranter gegenüber Menschen mit anderen Ansichten und Gefühlen .

    Ich wünsche dir eine herrliche Zeit ,mit all deinen Freiräumen und persönlichen Erfolgen .

    1. Liebe Dörthe, nur, um es noch einmal deutlich zu machen. Es handelt sich um ein Interview mit einer Betroffenen. Ich selbst bereue meine Mutterschaft keineswegs, aber mir war es wichtig mit einer Betroffenen zu sprechen, da ich das Buch „Die Mutterglücklüge“ von Sarah Fischer gelesen hatte. Gruß Sylvi

  25. Das Interview ist sehr ehrlich. In meinen Augen allerdings nur zum Leser, denn ich denke ebenfalls, dass man jemanden, dessen Anwesenheit man bereut nicht aus tiefstem Herzen lieben kann. *Anne* scheint (immer noch) nicht gelernt zu haben, zu sich selbst ehrlich zu sein. Wenn sie das wäre, würde ihr klar sein, dass es reine Spekulation ist, ob sie in den vergangenen 25 Jahren beruflich so viel erreicht hätte.
    Ich glaube, im Leben geht es darum, anzunehmen was einem widerfährt. Auch wenn das in sehr vielen Situationen unwahrscheinlich schwer ist und oft eine (unerfüllte) Lebensaufgabe darstellt.
    Aber etwas zu bereuen bringt niemanden weiter in seiner persönlichen Entwicklung.
    Ich kenne *Anne* und die genauen Situationen, die zu ihrem Denken führten nicht und es steht keinem zu, sie zu verurteilen. Allerdings frage ich mich schon, warum sie nicht froh sein kann, 3 wundervolle Menschen unterstützt zu haben und ihnen einen guten Weg geebnet zu haben. Das hätte sie für fremde Menschen in Entwicklungsländern offenbar gerne getan…

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