Sylvi 11Kommentare

Durch Zufall bin ich vor einigen Wochen auf den Blog Leipziger Mama  gestoßen und wie ich das dann immer so mache, habe ich einfach mal ein bisschen gelesen… Dabei bin ich auf einen Beitrag von Anne gestoßen, in dem sie sich als „Soldatenfrau“ outet und, wie einige von euch bereits wissen, bin auch ich eine solche „Soldatenfrau“. Nun hat Anne zur Blogparade aufgerufen.. Ich mach gern mit und nehme euch ein bisschen mit in unserer Leben.

Wie schaffst du das Leben als Soldatenfrau? Baut ihr auf ein besonderes Organisationstalent?

Es gibt Phasen, da ist es leichter und es gibt Phasen, da ist es einfach echt nervig und anstrengend! Seit Anfang 2013 ist mein Lieblingsmann in Leipzig stationiert und wir sind das erste Mal mit umgezogen. Im Grunde läuft es seitdem ganz gut, wobei dennoch viele und vor allem meist kurzfristig anberaumte Dienstreisen anstehen, die den ganzen Plan wieder durcheinander bringen und man ständig neu planen muss. Aktuell absolviert mein Mann einen siebenwöchigen Lehrgang in Dresden und kommt nicht jeden Tag nach Hause und selbst wenn er nach Hause kommt, dann sehr spät. Hier merke ich schon regelmäßig, dass meine Grenzen eigentlich schon längst erreicht sind, aber man sagt sich, dass es ja ein überschaubarer Zeitraum ist.

Das Leben an der Seite eines Soldaten lebe ich nun schon seit 16 Jahren und es war definitiv nicht immer einfach. Oft habe ich mich schon über die Bundeswehr als Arbeitgeber an sich und die Organisationsstrukturen im Besonderen aufgeregt. Von einer guten Vereinbarkeit des Dienstes und des Familienlebens, die ja immer so gern angestrebt wird, merke ich zudem rein gar nichts. De facto sehe ich es so, dass der Lebenspartner des Soldaten in vielen Dingen stark zurückstecken  muss und sich die Berufstätigkeit des Partners und Familie dann nur vereinbaren lassen, wenn es ein großes Betreuungsnetzwerk gibt. Wir haben ein solches nicht, denn Oma und Opa sind nicht in der Nähe. Ich baue also vor allem auf mein eigenes Organisationstalent und bin froh, dass ich so bisher eigentlich vieles ganz gut hinbekommen habe.

Seid ihr selbst Soldat oder steht ihr eurem Soldaten stolz zur Seite?

Mein Mann ist Berufssoldat und ich habe ihn schon als Soldaten kennengelernt. Es gibt viele Situationen in denen ich sehr stolz bin auf ihn und auf das, was er und seine Kameraden leisten, aber ich gebe auch offen zu, dass ich manches Mal echt nicht gut zu sprechen bin auf die Bundeswehr, denn auf uns Frauen wir leider ziemlich wenig Rücksicht genommen, geschweige denn auf die Kinder.

Welchen Herausforderungen stellt ihr euch regelmäßig?

Es ist das große Ganze, was sich Leben bzw. Familienleben nennt, welches die Herausforderung darstellt. Die Kinder müssen in Kindergarten und Schule gebracht werden, wollen am Nachmittag zum Sport und werden auch mal krank. Ich habe versucht den Tag so zu planen, dass es im Grunde auch ohne meinen Mann gehen würde. Ich möchte nicht ständig andere um Hilfe bitten, denn ich verlasse mich lieber auf mich selbst. Sicher kennen dies auch viele Alleinerziehende  oder Familien bei denen ein Partner außerhalb tätig ist genauso. Man muss fähig sein alles allein hinzubekommen, denn, wenn wieder eine Dienstreise etc. ansteht, dann bleibt oft keine Zeit mehr, um andere mit ins Boot zu holen.

Würdet ihr manches anders machen?

Ich würde nicht unbedingt etwas anders machen wollen, aber ich würde mir vieles anders wünschen bzw. ich verstehe bei vielen Dingen einfach nicht, warum man dafür keine besseren Lösungen findet. Warum gibt es an großen Standorten keine Kooperationen mit Kindergärten? Und wieso haben diese dann nicht auch so geöffnet, wie es die Soldaten bräuchten? Warum haben Beamte / Soldaten weniger Kindkranktage als sozialversicherungspflichtige Angestellte?  Werden Soldatenkinder etwa weniger krank? Was sollen bitte diese Eltern-Kind-Arbeitszimmer? Wer bitte kann gescheit arbeiten, wenn man ein krankes Kind hat?  Warum gibt es so wenig HomeOffice-Möglichkeiten? Fragen über Fragen, aber Lösungen gab es hierfür bisher nicht.

Was sind eure Highlights daran eine Soldatenfrau zu sein?

Grundsätzlich sehe ich meinen Mann gerne in Uniform, :-)! Andere Highlights waren und sind für mich Momente in denen ich meinen Mann beim Dienst beobachten kann. Wenn er zum Beispiel als Kompaniechef vor der Truppe stand und ein ganz anderes Auftreten hatte, als ich es von ihm kannte. Diese Momente machen mich immer unsagbar stolz. Auch die feierlichen Gelöbnisse der neuen Rekruten und eine Zweijährige, die die Nationalhymne besser mitschmettert als manch ein Lokalpolitiker gehören zu meinen Highlights. In den letzten Jahren ist mein Mann im Ausbildungskommando eingesetzt, hier gibt es seltener Gelegenheiten einen Einblick zu bekommen, aber es wird sicher auch wieder andere Verwendungen geben.

Bringt ihr Job und Soldatenfrau sowie Teilzeit-Beziehung unter eine Decke oder zieht ihr gemeinsam mit eurem Partner regelmäßig um?

Wir sind 2013 das erste Mal mit umgezogen. Vorher haben wir das klassische Soldatenfamilienleben geführt, also Familienzeit gab es nur am Wochenende. Unsere große Tochter  war damals sechs Jahre  und die MiniMotte etwa ein halbes Jahr alt. Ich wollte das nicht mehr, nur diese wenige Zeit am Wochenende. Und wir merkten auch an unserer Großen, dass es ihr in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nicht gut tat, dass der Papa so selten da war. In jedem Entwicklungsgespräch im Kindergarten wurden wir auf etwas hingewiesen, was wir eigentlich auch selbst schon wussten… Sie tat sich unglaublich schwer mit dieser Situation. Wir zogen also mit um und es tat ihr sehr gut. Sie ist viel selbstbewusster geworden und auch für Papa ist es so besser, denn er kann einfach aktiver am Familienleben teilnehmen. Vermutlich steht für uns im nächsten Jahr wieder eine Veränderung an. Wenn ich die Mädels frage, ob wir dann mit umziehen wollen, dann ist die Antwort immer sehr eindeutig. Sie wollen beide einfach in der Nähe des Papas sein. Auf den zweiten Teil dieser Frage kann ich nur antworten, dass wir uns dafür entschieden haben, dass die Kinder im Vordergrund stehen sollen. Eine volle Berufstätigkeit meinerseits wäre mit den Anforderungen des Dienstes meines Mannes nicht vereinbar. Die Mädels brauchen eine Konstante und das bin im Grunde ich. Seit dieser Entscheidung und seit dem ich dies für mich auch so akzeptiert habe (denn, es ist sicherlich nicht einfach zu erkennen, dass die Vereinbarkeit, die man sich immer so erhofft hat, einfach nicht möglich ist), leben wir viel ruhiger und die Mädels sind deutlich entspannter. Dadurch, dass wir vor Ort niemanden haben, der unterstützen kann, ist es einfach nur schwer möglich und würde zu Lasten der Kinder gehen (neben Vollzeitbetreuung im Kindergarten bzw. Hort bräuchte es vermutlich auch noch regelmäßig Babysitter). Und wenn ich an diesem Punkt der Überlegung bin,  frage ich mich immer, warum ich eigentlich Kinder bekommen habe, wenn ich sie ständig wegorganisieren muss. Wie gesagt, dass ist unserer Weg und unsere Entscheidung. Im Grunde muss hier jeder für sich die beste Lösung finden. Für uns fühlt es sich, mittlerweile, gut so an, wie es ist!



 

Du willst noch mehr von mir lesen? Dann schaut doch mal hier:

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Meine Sicht der Dinge

Darf man heute noch Hausfrau sein? – Mein Beitrag zur Blogparade von Sonjas besondere Welt


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Ich freu mich auf euch!

Eure

Sylvi

 

 

 

 

11 thoughts on “Mein Leben als Soldatenfrau

  1. Ich weiß genau, welche Last meine Frau zu Hause mit der Familie trägt. Es ist nicht immer ganz einfach, gerade deshalb bin ich auf meine Frau so unsagbar stolz wie sie das Alles meistert. Wie schon durch Sylvi beschrieben, wird leider immer wieder ein hoher Grad an Flexibilität von mir erwartet. Natürlich liebe ich meine Tätigkeit, habe eine 100% Berufszufriedenheit und bringe mich gerne engagiert ein. Aber noch mehr liebe ich meine Familie. Es gibt auch ein Leben neben der Bundeswehr und ich denke unvermessen behaupten zu können, dass die Familie die höchste Priorität im Leben haben sollte. Gerade in Zeiten mit Kindern muss der Papa eben mehr für die Familie da sein. Die so oft erwartete Flexibilität gab es etlich Jahre zuvor und werden auch wieder kommen. Momentan ist die gemeinsame Zeit in Leipzig besser als ein Wochenendpendler, aber immer noch nicht optimal. Wir machen eben das Beste daraus. Dies geht aber nur, weil ich so eine tolle und starke Frau habe. Dafür liebe ich Dich Sylvi!!!

  2. Liebe Sylvi,
    ich kenne das Problem mit der vermeintlichen Familienfreundlichkeit der Bundeswehr leider auch sehr gut und kann dich da gut verstehen. So schön das auch ist, dass die Bundeswehr einen sicheren Arbeitsplatz bietet, ein bisschen mehr Flexibilität und Entgegenkommen für Familien wäre wirklich wünschenswert.

    Ich drücke die Daumen, dass das bei euch im nächsten Jahr mit Umzug etc gut klappt und ihr nicht wieder aufs Wochenend-Modell umsteigen müsst!

    Liebste Grüße
    Frau Kröhnchen

    1. Liebe Sarah,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Bist du etwa auch eine Soldatenfrau? Gerade mit Kindern ist es schwer Familie und Bundeswehr zu vereinbaren, Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen, wie man es bei Versetzungen handhaben will (mit umziehen oder pendeln). Wir haben schon vor die Familie nicht mehr auseinanderzureißen… Die Erfahrungen mit unserer Großen haben uns gezeigt, dass es für die Kinder wirklich schwer ist, wenn der Papa nur am Wochenende da ist. Wie viele Tränen es da Sonntagabend gab und wie groß das Glück am Freitagnachmittag…

      Liebe Grüße

      Sylvi

      P.S.: Wenn du auch Soldatenfrau bist, dann mach doch auch mit bei der Blogparade von Leipziger Mama

      1. Liebe Sylvi,
        Ja, ich bin auch eine Soldatenfrau. Da ich im vergangenen Jahr berufsbedingt umziehen musste, gibt es nun seit 1,5 Jahren wieder Wochenend-Beziehung. Sowas ist, wie du weißt, sehr anstrengend 🙁
        Wir hoffen, dass sich langsam etwas in Sachen Versetzung ergibt. Stellen hier in der Gegend von Hamburg gibt es noch und nöcher, nur am Ersatz harperte es bisher leider.
        Danke für den Tipp mit der Blogparade, das ist eine sehr gute Idee 🙂

        Liebe Grüße
        Sarah

    2. Liebe Sarah,

      so etwas habe ich schon öfter gehört. Dann hoffe ich für euch, dass es schnell eine Lösung gibt! Schließlich kommt ja bald euer Nachwuchs und da wär es doch toll, wenn der Papa abends nach Hause kommen kann. Und als Mama ist es auch nicht schlecht, wenn wenigstens abends jemand mit unterstützt. Ich habe beides durch: Baby mit Wochenend-Papa und Baby mit Papa, der meist abends da war! Es ist schon leichter, wenn der Partner abends mit da ist und wenn es nur die seelische Unterstützung ist…

      Ich freu mich auf deinen Beitrag zur Blogparade!

      Gruß
      Sylvi

      1. Liebe Sylvi,
        Vielen Dank! Machbar wäre es sicher mit der Wochenend-Familie, aber schöner wohl definitiv wenn wir jeden Tag etwas voneinander hätten. Vorallem auch, weil gerade in der ersten Zeit so viel passiert und auch das Baby geprägt wird. Ich möchte die beiden einfach ungern zu viel von einander „verpassen“ lassen. Hoffen wir das beste 🙂 Und Respekt, dass du das gewuppt hast!

        Liebe Grüße
        Sarah

    1. Du auch, liebe Tina? Ich bin echt überrascht, wie viele Soldatenfrauen es unter meinen Bloggerkolleginnen so gibt… Ich würd mich freuen, wenn du auch mitmachst an der Blogparade von Leipziger Mama! Sei ganz lieb gegrüßt… Sylvie

  3. Ich habe-ohne herzlos klingen zu wollen- noch nie darüber nachgedacht wie es einer Soldatenfrau gehen muss, aber es ist unglaublich interessant! War dein Mann auch schon mal an einem Ort (oder mehreren) tätig, wo du ein wenig Angst um ihn haben musstest?
    Liebe Grüße,
    Christophenopelis
    P.S. Ich stimme dir vollkommen zu, Männer in Uniform sind sexy😂👌🏼

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