Sylvi 8Kommentare

Bereits im Mai habe ich von Sonjas Blogparade erfahren und mir fest vorgenommen auch einen Beitrag dazu zu schreiben, jetzt endet in wenigen Tagen der gesetzte Zeitrahmen zum Mitmachen und ich frage mich schon wieder, wo denn nur die Zeit geblieben ist. Gedanken habe ich mir schon viele über dieses Thema gemacht und auch ein eigener Beitrag sollte irgendwann her, aber es ist irgendwie auch ein „heißes Eisen“ und so ganz wusste ich immer nicht, wie mich dem Thema nähern will. Soll ich von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben oder doch eher eine gesellschaftliche Analyse vornehmen ohne den Fokus zu sehr auf mich und mein Lebensmodell zu richten?

Jetzt drängt die Zeit und da ich unter Druck so oder so die besten Artikel verfasse, möchte ich euch heute endlich meinen Artikel  zu dem Thema: „Darf man heute noch Hausfrau sein?“ vorstellen und zwar aus meiner ganz persönlichen Sichtweise.

Um es gleich vorweg zu nehmen:

Ja, ich bin Hausfrau!

Ich denke, dass trifft es schon auf den Punkt, denn ich stehe weder in einem Arbeitsverhältnis, noch bin ich Student oder arbeitssuchend. Mein Mann ist quasi der Alleinverdiener und die Kindererziehung sowie die Organisation drum herum liegt zum größten Teil in meiner Hand.

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Dennoch bin ich nicht der Typ „Kittelschürze“ oder „Helikopter-Mom“ und es ist auch nicht so, als würde mein Mann nicht auch seinen Beitrag in der Haus- und Familienarbeit leisten.

Dennoch: Von außen betrachtet leben wir das klassische westdeutsche Familienmodell.

Besonders schwierig, wenn man in Leipzig lebt, mitten im Gebiet der ehemaligen DDR in der das Frauenbild von Grund auf ein anderes war, als in Westdeutschland und meine Mitmenschen natürlich auch entsprechend sozialisiert sind.

Im Grunde bin ich daher hier eher eine Ausnahmeerscheinung, wobei: ab und an treffe ich doch auch auf Frauen, die sich für dieses Lebensmodell entschieden haben. Uns alle plagen aber dennoch die gleichen Gedanken, denn gesellschaftlich anerkannt sind wir nicht. Uns darf es eigentlich gar nicht geben, denn schließlich wird doch von Seiten der Bundesregierung soviel getan, um die Erwerbstätigkeit von Müttern zu unterstützen (Ausbau Kinderbetreuung U3-Kinder,  Elterngeld plus etc.). Auch die Reaktionen aus dem Umfeld sind daher immer ähnlich. Sätze, wie „Ich kriege es doch auch hin Familie und Beruf zu vereinbaren.“ oder „Wenn man es sich leisten kann…“ sind keine Seltenheit und haben mich anfangs immer wieder ins grübeln gebracht. Heute tue ich dies nicht mehr, sondern gehe offensiv mit unserem Lebensmodell um. Ich versuche mich auch nicht mehr dafür zu rechtfertigen (gelingt mal mehr, mal weniger), sondern mein Leben einfach so zu gestalten, dass meine Familie und ich glücklich sind ohne zu sehr darauf zu achten, was andere eventuell über mich/uns denken.

Dennoch war es nicht mein Lebensziel und die aktuelle Situation muss auch nicht für immer so bleiben, aber im Moment leben wir alle stressfreier, als noch zu Zeiten in denen mein Studium mich sehr vereinnahmte. Ein weiterer Grund für diese Entscheidung war die berufliche Situation meines Mannes, die auf der einen Seite zwar eine enorme Sicherheit für uns als Familie mit sich bringt, weil mein Mann Beamter ist, aber zum anderen auch von ihm sehr viel Flexibilität verlangt. Dienstreisen gehören ständig dazu und wenn andere familiäre Unterstützungsfaktoren dann nicht vorhanden sind, würde eine volle Berufstätigkeit von uns beiden, meines Erachtens, zu Lasten der Kinder gehen und genau das wollen wir nicht. In unserem Umfeld arbeiten meist beide Elternteile, aber dennoch sind sie alle auf die Unterstützung von den Großeltern oder Babysittern angewiesen, um ihren Beruf ausüben zu können, zumindest wenn die Kinder noch kleiner sind. Erst später, wenn die Kinder quasi aus dem Gröbsten raus sind, arbeiten beide wieder Vollzeit. Es gibt auch einige Familien in denen beide Elternteile Teilzeit arbeiten. Dies hätte ich mir durchaus auch für uns vorstellen können, aber in der Branche meines Mannes ist Teilzeit quasi undenkbar. Deshalb haben wir uns irgendwann dazu entschieden diesen Weg zu gehen und sind absolut glücklich damit, denn wir haben unsere Kinder nicht bekommen, um keine Zeit mit Ihnen zu verbringen. Sie werden so schnell groß und die Zeit bringt uns keiner zurück.

Auch an den Kindern merke ich eine Veränderung: Sie genießen es regelrecht, dass ich ihnen unbegrenzt Zeit schenken kann. Dass unser Kindergartenkind einfach auch mal zu Hause bleiben kann, wenn es das möchte oder Mittagskind ist. Dass unser Schulkind nach der Schule direkt nach Hause kommt und nicht mehr den Hort besucht. Denn auch die Große, die sich sicher in ein paar Jahren schon abnabeln wird, genießt es noch, dass ich ständig als Ansprechpartner da bin. Nur die Option mich ins Boot holen zu können, wenn sie es bräuchte, gibt ihr eine enorme Sicherheit, wie ich es selbst nie erwartet hätte. Natürlich macht sie schon viele Dinge alleine und natürlich ist Mama jetzt schon manches Mal uncool, aber zu Hause ist es dann doch schön mit Mama ausgiebig über den Schultag zu sprechen oder einfach mal nur zu kuscheln.

In der heutigen Zeit muss man sich dieses Familienmodell leider auch leisten können. Die staatliche finanzielle Unterstützung ist gering und oft werden einfach zwei Einkommen gebraucht, um die Familie ernähren zu können. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch die Lebensweise betrachten, denn es ist schon so, dass wir einfach bei vielen Dingen Abstriche machen, diese uns aber auch einfach nicht so wichtig sind. Wir haben kein Haus sondern sind Mieter; wir haben nur ein Auto und zwar ein ziemlich altes; wir fahren in aller Regel nur einmal im Jahr in den Urlaub und dann auch nur an Nord- oder Ostsee. Es ist halt auch immer entscheidend, wie man seine Prioritäten setzt.

Uns geht es gut! Wir sind glücklich und zufrieden und haben alles was wir brauchen, nämlich vor allem: Uns! Als Heimchen am Herd würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Meine Kinder stehen zwar im Fokus, aber dennoch habe ich auch eigene Interessen und versuche mich, in der wenigen Zeit, die für mich bleibt, auch selbst zu verwirklichen.

Um nun jedoch zur Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ja, man darf heute noch Hausfrau sein, aber man muss sich auf einigen Gegenwind gefasst machen. Negative Kommentare habe ich schon viele gehört, doch am Ende geht es doch allein darum, dass wir glücklich sind.

Jede Familie muss ihr Modell finden und jede Frau ihre Rolle  – am Ende finde ich es nur wichtig, dass man die Lebensmodelle seiner Mitmenschen akzeptiert ohne sie in irgendeiner Weise bewerten zu wollen. Manchmal würde ich mir schon mehr Akzeptanz wünschen, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt….

Liebe Grüße

Sylvi


P.S.: Wenn ihr noch weitere Beiträge zum Thema lesen wollt, dann schaut doch mal bei Sonja vorbei!!!

 

8 thoughts on “Darf man heute noch Hausfrau sein? – Mein Beitrag zur #Blogparade von Sonjas besondere Welt

  1. Liebe Sylvi,

    ein wunderbarer Beitrag zu diesem Thema… Danke schön dafür. Auch Danke, dass Du uns an Deinem Leben und dem Leben Deiner Familie teil haben läßt…
    Ich liebe es, wie Du schreibst…

    Ganz liebe Grüße

    Mathilda 😚

  2. Hallo Sylvi,

    ein ganz toller Beitrag! Ich habe das Glück 2 Jahre Elternzeit nehmen zu können und werde schon dafür kritisch beäugt, gerade von meinen Professorinnen und Kommilitonen… Es ist wahrscheinlich doch ein bissel so nen Ostding, dass die Kinder mit allerspätestens 1 Jahr in die Kita müssen ( bin Magdeburgerin). Schön, mal von anderen „Osthausfrauen“ lesen zu dürfen! Ganz liebe Grüße, Josi

    1. Hallo Josi,

      Mensch, ich wollte dir doch noch antworten und nun stoße ich durch Zufall wieder auf deinen Kommentar… Ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Du machst das genau richtig. Zwei Jahre zu Hause mit Kind sind einfach wunderbar.
      Ich darf mir auch heute noch immer wieder dumme Sprüche anhören, aber mein dickes Fell wächst, ;-)!
      Ich freu mich bald wieder von dir zu hören.
      Liebe Grüße aus Leipzig nach Magdeburg
      Sylvi

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